Läufigkeit ist keine Krankheit

Seit zwei Tagen bin ich jetzt wieder läufig. Juhuu es beginnt die schönste Zeit im Jahr! Da habe ich mehr oder weniger Narrenfreiheit! Warum? Weil Frauchen irgendwann mal so einem schlauen Hundetypen im Fernsehen lauschte, der seinen gebannten Zuhörern freundlich aber bestimmt erzählte: "In der Läufigkeit verändern sich die Hündinnen. Sie hören eventuell schlechter als sonst, sind anhänglicher oder genau das Gegenteil. Seien sie in der Zeit etwas nachsichtiger und nicht zu streng. Vor allem aber: nehmen sie es nicht persönlich." 

Weil Frauchen ja auf jeden Hundeprofi hört, habe ich seither diese vier Wochen ein tolles Leben. Also noch toller als sonst. 

Das bedeutet:

-Einmal traurig schauen: Streicheleinheit+Leckerli. 
-Nicht folgen: ein verschnupfter Blick+Leckerli. 
-Keinen Bock auf den Spaziergang weil ich lieber die Vögel im Garten abchecke: Kopf tätscheln und...ja richtig: Leckerli.  

Ich habe sie da echt gut erzogen. 

Heute sind wir wieder am Weg zum Agility. "Super, Schonprogramm ist angesagt", denke ich. 

Beim Reingehen trötet Frauchen schon von weitem zur Frau Lehrerin: "Heute müssen wir es etwas ruhiger angehen. Boh ist läufig." 
Die Reaktion der Dame in der Mitte des Platzes lässt mich innerlich etwas unruhig werden. Sie schaut erst "Madame Mitfühlend" und dann mich skeptisch an und sagt...nichts. Oh oh, irgendwas ist da im Busch. Hätte mir jetzt eigentlich ein "Ohje"+Leckerli erwartet. Weil Frauchen die Reaktion auch nicht so ganz deuten kann, fügt sie erklärend hinzu: "Boh ist da immer etwas unaufmerksam und müde!"

"Die Läufigkeit ist keine Krankheit, ", zwinkert Frau Trainerin ihr zu. OH.MEIN.GOTT.
Was geschieht hier? Das Gespräch verläuft in die ganz falsche Richtung!!!!
"Schweig still du missgunstiger Mensch!!!" Ich sehe meine schönste Zeit im Jahr dahinschwinden. 

Das Training beginnt, und irgendwie muss ich genauso folgsam sein wie immer. Nicht mit mir.

In einer ruhigen Minute (Frauchen bekommt wieder mal einen freundlichen Rüffel wegen unkoordienierten Verhaltens), biege ich doch einfach mal zum Schnuppern ab und schaue was passiert. "Botschiiii, komm her Pippilein," trällert sie lieblich. Sofort legt der "Drill Instructor" ein Veto ein: "So kenne ich dich gar nicht! Zeig ihr doch mal wo der Frosch die Locken hat. Die tanzt dir auf der Nase herum!"

"Ok Fräulein, der Kampf um die Willensstärke meiner momentan sehr spendierfreudigen Leckerliverteilerin ist eröffnet!!!"

Ich schleiche armselig auf meine Wasserschüssel zu und trinke auf einen Satz alles aus (Wasserbauch-Alarm, aber man muss Opfer bringen). Danach lasse ich mich erschöpft auf den leeren Silikonnapf fallen. Zunge bis zum Boden - versteht sich von selbst.

 Frauchen lispelt mitleidig: "Ojeeee", während Frau Trainerin mit den Augen rollt: "Na gut. Eine kurze Pause, aber ich denke trotzdem dass Boh länger aushält als fünf Minuten."

Und ich denke: "Dann denk dir das bitte leise."

Die Rationen an Leckerlies sind nun deutlich weniger geworden und ich bin wieder gezwungen, die netten Reitschüler anzuschnorren.

Frau Trainerin hat es echt drauf. Hut ab!

Liebe Grüße eure leidende Boh

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