Agility für geistig Umnachtete

Vergangenes Wochenende war die Agility WM-Quali. Mein Frauchen hat jede Minute zwischen ihren Reitstunden genutzt um ins Handy zu glotzen. "Live-Stream läuft, " erklärt sie Herrchen ganz wichtig. Dabei starrt sie gebannt auf das kleine Teil und gibt alle paar Minuten ein "aaaah, uhhh suuuuper und oh nein-schade,"  von sich. "Puh, so einen Parcours würde ich mir im Leben nicht merken. Turniere sind nichts für mich," flüstert sie enttäuscht. Herrchen hat aber immer eine liebevolle und aufbauende Antwort parat: "Doch, doch, schau mal. Da stehen auch Menschen herum die mitschreiben. Schreiben kannst du!" Frauchen wirft ihn einen vernichtenden Blick zu. 
Zeit in den Garten abzuhauen.  Das könnte unschön werden....

Von unseren katastrophalen Agility-Anfängen habe ich euch ja schon erzählt. Seither ist viel Wasser die Donau hinuntergelaufen, und viel Geld hat den Besitzer gewechselt. 

Mein Frauchen hat uns mittlerweile zum Privattraining angemeldet. "Sonst geht nix weiter," hat sie gesagt. Da muss ich ihr ausnahmsweise mal recht geben. Die Trainerin ist geduldig...mit ihr. Wir verstehen uns von Anfang an prächtig und sind ein gutes Team was die Erziehung von "Frau Holzschlapfen" betrifft. 


Ich habe mittlerweile begonnen, laut zu meckern wenn sie mir wieder im Weg herumstehen (zum Beispiel vor der Hürde, wenn ich gerade drüber springe) oder sie plötzlich stehen bleibt, weil sie den Parcours vergessen hat. Da muss ich ihre Unfähigkeit ein wenig in Schutz nehmen: sie ist ja nicht die hellste Kerze am Luster und fährt auch prinzipiell mit Navi im Auto. Heißt: Orientierungssinn gleich Null!

Dann hat sie aber angefangen mich auszutricksen um nicht ganz so blöd dazustehen. Sobald sie den Weg nicht mehr weiß, läuft sie einfach wo anders weiter. Ich habe es ja nicht sofort bemerkt, aber die Frau Trainerin schon: "Die Nummern bei den Hindernissen sind keine Empfehlungen meine Liebe!" Da wird die Gute knallrot im Gesicht und fühlt sich ertappt. Ja, uns Trainern kann man eben nichts vormachen. 
Aber eigentlich war ihre Eigeninitiative für mich gar nicht so schlecht. Zumindest durfte ich mehr als zehn Meter laufen. Jetzt geht es wieder so weiter wie früher: starten-hampeln-fuchteln-blablabla-weiterstolpern-stehenbleiben und wirr in der Gegend herumglotzen. Laaaaangweilig.
Das hat dann die Chefin in der Mitte auch eingesehen. Sie hat den Parcours so gestellt, dass es auch für geistig Umnachtete - wie meinem Frauchen - machbar ist. 
Super! Nun sind pro Lauf nur noch zwei bis drei Pirouetten zu meistern. Das schafft sie - meistens. Und wenn nicht, köpfelt sie eben wieder mal über den Tunnel.  Das finde ich wiederum sehr spaßig. Denn wenn sie am Boden liegt, kann ich mir das Spieli einfach selbst aus ihrer Jackentasche mopsen. Kann ich doch nichts dafür wenn sie falsch abbiegt.  

Die größten Unstimmigkeiten haben wir aber beim Warten, wenn ein Kollege von mir läuft. Ich bin ja jedes mal begeistert wie schnell er ist. Und was macht ein begeisterter Fan? Richtig: jubeln!! Also feuere ich ihn lautstark an wenn er blitzschnell über die Hürden fliegt. Frauchen findet das gar nicht so toll und tadelt mich ständig dafür. Naja, ich wusste schon immer dass sie nicht so eine soziale Ader wie ich hat. Auch da kann sie noch viel von mir lernen. Deshalb werde ich einfach immer lauter wenn sie mich unterbrechen will. Sie muss es doch irgendwann kapieren, dass sich das so gehört. 

Frauchen erziehen ist harte Arbeit, aber die Frau Trainerin und ich bekommen das schon hin.

Liebe Grüße eure pädagogisch sehr gut veranlagte Boh


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